Evangelische St. Wolfganskirche Schneeberg

Evangelische St. Wolfgangskirche Schneeberg

Erbauer: Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH
Baujahr: 1998 (opus 1128)
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: elektrisch
Ladensystem: Schleifladen

 

Disposition:

   
I. RÜCKPOSITIV C-g3
  II. HAUPTWERK C-g3
1. Praestant
8`
  12. Prinzipal
16`
2. Holzgedackt
8`
  13. Oktave
8`
3. Quintatön
8`
  14. Rohrflöte
8`
4. Oktave
4`
  15. Flûte harmon.
8`
5. Rohrflöte
4`
  16. Gambe
8`
6. Oktave
2`
  17. Oktave
4`
7. Larigot
1 1/3`
  18. Hohlflöte
4`
8. Sifflöte
1`
  19. Quinte
2 2/3`
9. Sesquialtera
II
  20. Oktave
10. Mixtur
IV
  21. Kornett ab g°
V
11. Cromorne
8`
  22. Großmixtur
V
 
  23. Kleinmixtur
IV
 
  24. Trompete
16`
 
  25. Trompete
8`
 
   
III. SCHWELLWERK C-g3   PEDAL C-f1
26. Bordun
16`
  42. Prinzipal
32`
27. Geigenprinzipal
8`
  43. Oktavbass
16`
28. Doppelflöte
8`
  44. Subbass
16`
29. Salicional
8`
  45. Zartbass
16`
30. Vox coelestis
8`
  46. Oktavbass
8`
31. Oktave
4`
  47. Bordun
8`
32. Gedackt
4`
  48. Violoncello
8`
33. Fugara
4`
  49. Oktavbass
4`
34. Nasat
2 2/3`
  50. Nachthorn
2`
35. Querflöte
2`
  51. Hintersatz
VI
36. Terz
1 3/5`
  52. Posaune
32`
37. Septime
1 1/7`
  53. Posaune
16`
38. Pleinjeu
V-VI
  54. Dulzian
16`
39. Bombarde
16`
  55. Trompete
8`
40. Trompette harm.
8`
  56. Klarine
4`
41. Oboe
8`
     
 
   
NEBENREGISTER UND SPIELHILFEN  
6 Normalkoppeln (doppelwirkend als  
Handregister und Fußpistons),  
Tremulanten für RP, SW und Kleinpedal,  
999 Setzerkombinationen (mit Sequenzer  
vorw./rückw. als Tasterleisten unter dem  
1. Manual und Fusspistons und mit Zehner-  
tastatur schaltbar), Zimbelstern, Crescendo-  
walze, Schwelltritt für SW, Zungenregister ab,  
Handregister zum Crescendo, Crescendo an.  
 
   

 

Aus der Festschrift zur Weihe der Orgel am 4. Oktober 1998
Gedanken zum Orgelbau von Orgelbaumeister Horst Jehmlich

Inmitten des Wiederaufbaus der St. Wolfgangskirche zu Schneeberg begannen im Jahr 1987 intensive Vorbereitungen für den Neubau einer Orgel.
Es war klar, hier ist ein bedeutendes Werk zu schaffen, doch keiner von uns ahnte, welch bewegte Zeiten vor uns lagen!
Wir waren uns mit den Vertretern der Kirchgemeinde, der Landeskirche und des Denkmalamtes zur grundlegenden Konzeption der Orgel schnell einig: Die St. Wolfgangskirche mit ihrem großen Raumvolumen braucht eine entsprechend dimensionierte Orgel mit ausreichender Klangfülle.
Die Klangfarben des Instrumentes sollen zur Interpretation von Orgelliteratur verschiedener Epochen und Genres vielseitig disponiert sein. Die äußere Gestaltung der Orgel ist in Harmonie zu den Raumproportionen zu entwickeln und hat die Aufstellungsbedingungen zu berücksichtigen. Alle Überlegungen müssen schließlich darin gipfeln, daß Wünsche - wie z. B. eine sehr große Registerzahl - und Grenzwerte - wie z. B. Platzbeschränkungen, finanzielle Möglichkeiten - in Einklang zu bringen sind.

Die Vorbereitungsphase des Orgelbaus für die St. Wolfgangskirche ist auch geprägt durch die historischen Ereignisse der 90er Jahre. Die Bildung der deutschen Einheit, die Währungsunion und viele Turbulenzen rüttelten drastisch am Orgelvorhaben. Erst am 3. Oktober 1995, dem Jahrestag der deutschen Einheit, als ich zusammen mit Pfarrer Meinel und Kantor Stange vor der Gemeinde und dem Förderverein den Orgelbauvertrag unterzeichnen konnte, war es besiegelt: Die Orgel für die St. Wolfgangskirche kann erbaut werden.
Der unermüdliche, beispielhafte Geist Schneeberger Beharrlichkeit und Glaubensstärke hatte sich, verbunden mit großer Opferbereitschaft vieler Menschen und erheblicher Unterstützung von Institutionen, durchgesetzt.

Das Resultat ist ein Orgelwerk mit 56 Registern auf 3 Manualen und Pedal, aufgestellt auf der Westempore der St. Wolfgangskirche. Die Orgel bietet reichhaltige Klangmöglichkeiten.
Das Hauptwerk der Orgel gibt einen gravitätischen Klang, der mit seinem umfangreichen Prinzipalchor auf 16' Basis aufbaut und durch 2 Trompeten unterstützt wird.
Das Oberwerk ist sehr farbenreich, besonders mit Streichern und Zungenregistern disponiert, die für romantische Musik gut geeignet sind. Die dazu erforderliche Klangdynamik wird durch ein starkwandiges Schwellergehäuse erreicht, in dem die Register des Oberwerkes angeordnet sind.
Das Rückpositiv ist mit seinen Stimmen spritzig und delikat intoniert. Es dient besonders solistischen und kammermusikalischen Funktionen. Zur Begleitung des Gemeindegesanges ist es prädestiniert.
Die 3 in der Disposition aufeinander abgestimmten Manualwerke werden komplettiert durch ein breites Fundament des Pedalwerkes. Dieses basiert auf dem Prinzipal 32', der klanglich wie auch optisch die angemessene Proportion im Kirchenraum darstellt. Neben einem majestätischen Fundament ist das Pedalwerk auch für solistische Zwecke ausreichend disponiert. Die labialen Stimmen sind bis zum 2' vertreten und werden durch Zungenregister vom 32' bis zum 4' ergänzt.

Die klassische Anordnung der einzelnen Werke - das Rückpositiv in der Emporenbrüstung, das Hauptwerk und Oberwerk übereinander, das Pedalwerk in den 2 großen Seitentürmen - bringen eine günstige Klangabstrahlung. Mit den Mensuren der Pfeifen und der Ausführung der Intonation setzen wir die Klangtradition unserer Firma fort. Seit Gründung unserer Werkstatt im Jahr 1808 ist der Klangstil unserer Instrumente der sächsischen Silbermann-Schule verpflichtet. In der Firmengeschichte über 5 Generationen wurde eine klangliche Synthese entwickelt, die auf dieser barocken Tradition aufbaut und spätere romantische Klangeinflüsse mit aufnimmt.
Die Spieltraktur der Orgel ist mechanisch ausgeführt und soll in hoher Präzision dem Organisten eine sensible Verbindung zu den Tonventilen geben. Die elektrische Registertraktur mit einem elektronischen Setzer, der 999 verschiedene Registrierungen speichern kann, bietet dazu einen modernen Spielkomfort.

Der Tag der Orgelweihe erfüllt uns mit Freude, Dank und Verpflichtung. Wir freuen uns, daß wir in diesem wiedererbauten Gotteshaus, gegenüber dem prachtvollen Cranachaltar, die neue Orgel erbauen konnten. Ich danke allen sehr herzlich, die diesen Orgelbau ermöglichten und zur Ausfüh-rung des Instrumentes beitrugen. Wir haben damit die Verpflichtung übernommen, daß auch in einem beständigen Gemeindeleben unserer und folgender Generationen die Orgel in der St. Wolfgangskirche Schneeberg zum Lob und zur Ehre Gottes dient.