Welte-Kino-Orgel im Filmmuseum Potsdam

Welte-Kino-Orgel im Filmmuseum Potsdam

Erbauer: Fa. Michael Welte & Söhne
Restauration: Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH 1993
Traktur: elektro-pneumatisch
Ladensystem:

Multiplex-Kastenladen
Tonsteuerung durch Hufeisenmagnete

 

Disposition:

   
I. MANUAL C-c''''
  II. MANUAL C-c''''
  1. Flöte
16'
  19. Bordun
16'
  2. Vox coelestis
8'
  20. Clarinette
16'
  3. Viole d´orchestre
8'
  21. Saxophon
16'
  4. Geige
8'
  22. Vox humana
16'
  5. Viola
8'
  23. Vox coelestis
8'
  6. Traversflöte
8'
  24. Viole d´orchestre
8'
  7. Bordun-Horn
8'
  25. Geige
8'
  8. Vox humana
8'
  26. Viola
8'
  9. Oboe
8'
  27. Flöte
8'
10. Clarinette
8'
  28. Bordun-Horn
8'
11. Saxophon
8'
  29. Oboe
8'
12. Violine
4'
  30. Vox humana
8'
13. Viola
4'
  31. Violine
4'
14. Flöte
4'
  32. Geige
4'
15. Oboe
4'
  33. Horn
4'
16. Vox humana
4'
  34. Oboe
4'
17. Sesquialter
2 2/3'
  35. Sesquialter
2 2/3'
18. Flageolet
2'
  36. Piccolo
2'
 -    Harfe      -    Stahlharmonika  
       -    Xylophon  
PEDAL C-f'
   
37. Subbass
16'
   
38. Fagottbass
16'
   
39. Cello
8'
   
40. Geigenbass
8'
     
41. Flötenbass
8'
     
42. Saxophon
8'
     
43. Cornettbass
5 1/3'
     
44. Oktavbass
4'
     
 
     

 

Pedal-Tritte:
Registerschweller
Jalousieschweller
     
Feste Kombinationen: I Choral, Piano
  II Choral, Forte
  III Harfe, Vox humana 8' solo
  IV Vox coelestis, Vox humana 8'
  V Chor, Vox humana 16'
  VI Geige, Flöte
  VII Flöte, Oboe
  VIII Violine, Xylophon
     
Tutti
2 freie Kombinationen
   
11 Pistons: Donner, Sturm, kleine Sirene, Schiffsirene, Gong stark, große Glocke, große Trommel, Becken stark, kleine Trommel, Jazz I, Jazz II
     
Jazz-Kombinationen: kleine Trommel, Tamburin, Castagnetten, Holzblock
     
Kinoeffekte: Pauke, Becken schwach, kleine Trommel, Tamburin, Castagnetten, Holzblock, Schlittenschellen, kleine Trommel, Becken stark, große Trommel, Gong stark, Gong schwach, Gong Wirbel, große Glocke, Glockengeläute, Vogelgesang I, Vogelgesang II, Telefon, Alarmsignal, kleine Sirene, Schiffsirene, Claxon, Eisenbahn, Lokomotivpfiff, Wassergeräusch, Regen, Sturm, Donner
     

 

Zur Geschichte des Instrumentes

Ursprünglich wurde das Instrument im Jahre 1929 im Luxor-Palast Chemnitz installiert. Die wechselvolle Geschichte der Orgel ist lediglich ab den 50er Jahren belegbar, seit dem der Jehmlich Orgelbau die Pflege der Orgel übernahm. Auf Wunsch des Organisten wurden 1953 drei Pfeifenreihen (Vox humana 8', Oboe 8' und Vox cerlestis 8') durch Gedacktpommer, Weitgedackt und Blockflöte ersetzt und Bedien- und Funktionselemente geändert. 1954 wurde die gesamte Orgelanlage durch Wassereinbruch infolge von Hochwasser stark beschädigt. Mit dem Einbau einer Breitleinwand für Totalvision im Luxor-Palast wurde die Orgel 1955 wegen Platzbedarfs generell in Frage gestellt und räumlich Umgebaut, wodurch die originale Aufstellungskonfiguration verloren ging. Die Kinoorgel wurde bis Ende der 60er Jahre als Instrument genutzt, 1979 baute man sie aus dem Luxor-Palast aus und übergab sie dem Filmmuseum Potsdam. 1992 wurde der Jehmlich Orgelbau mit der Restaurierung der Orgel beauftragt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Orgel durch unsachgemäßem Ausbau im Luxor-Palast und 13 Jahre Einlagerung im Filmmuseum unter klimatisch ungünstigen Bedingungen, in einem sehr schlechten Zustand.

 

Restaurierung- & Rekonstruktionsarbeiten

Spieltisch Welte-Kino-Orgel Es wurde angestrebt, das Instrument in den Originalzustand zurückzuführen und die originale Disposition wiederherzustellen. Alle vorhandenen Orgelteile wurden aus einem Potsdamer Lagerraum in die Werkstatt transportiert, alle Teile gereinigt, analysiert und die Konzeption für die Neuaufstellung erarbeitet. Die zum großen Teil stark beschädigten Orgelteile wurden restauriert, fehlende Teile in originaler Art ergänzt. Die pneumatischen Arbeitsbälge, alle Kontaktstellen und Schaltungen wurden überarbeitet, die Verdrahtung mußte teilweise erneuert werden und in den Windladen wurden neue Reissner-Magnete installiert. Die früher ausgetauschten Register Vox humana 8', Oboe 8' und Vox cerlestis 8' wurden wieder nach alten Mensuren hergestellt und eingebaut. 9 fehlende Klangeffekte wurden rekonstruiert. Ein neues Orgelgerüst, eine neue Windanlage und ein neues Orgelgehäuse wurden hergestellt und mit der Orgel auf der Bühne hinter der Leinwand im Kinosaal installiert. Das überarbeitete elektrische Gebläse und der Trakturdynamo wurden in einem Raum hinter der Orgel angeordnet; der Spieltisch wurde im Kinosaal seitlich aufgestellt.

 

Unterschiede der Kino-Orgel zur Kirchenorgel

Pfeifen und Klangeffekte für Zuschauer nicht sichtbar in schalldichter Tonkammer, Lautstärkeregelung über Jalousieschweller, Traktur elektro-pneumatisch (keine mechanische Traktur), alle Pfeifenreihen auf allen Manualen spielbar, Winddruck 150-400mm WS, Beiwerk und Effekte.