Evangelisch-Lutherische Kirche Mirow

Evangelisch-Lutherische Kirche Mirow

Erbauer: Johann Heinrich Runge 1857
Restaurierung und Rekonstruktion:
Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH 2001
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Ladensystem: Schleiflade


Disposition:

   
I. MANUAL C-f3
     
1. Principal
8'
     
2. Hohlflöte
8'
     
3. Viola di Gambe
8'
     
4. Octave
4'
     
5. Octave
2'
     
6. Mixtur
II
     
       
PEDAL C-d1      
Angehängt)        
         

 

Über die Restaurierung der Mirower Runge Orgel
Bericht von Andreas Hahn (Jehmlich Orgelbau Dresden)

Ausschnitt OrgelprospektVon der Runge Orgel in der Mirower Kirche geht eine faszinierende Ausstrahlung aus. Über Jahrzehnte hinweg für wertlos erachtet, abgeschrieben und einer Restaurierung nicht für würdig befunden, verharrte das Instrument unbenutzt in einem Dornröschenschlaf, aus dem es erst jetzt wieder zum Leben erweckt wurde.
Das Instrument verfügt über ein wunderschönes neogotisches Gehäuse und hat, unberührt von unsachgemäßen Eingriffen, seinen ursprünglichen und schlichten Charakter bewahren können. Der Orgelspieler sitzt eingebettet zwischen der Emporenbrüstung, aus der eine Wölbung herausgeschnitten wurde, und dem Orgelgehäuse vor der Klaviatur. Zwei Klappsitze links und rechts neben der Orgelbank, am Gehäuse angebracht, bieten Platz für Bälgetreter und Registranten. Bis zum heutigen Tage waren immer zwei Personen notwendig, um die Orgel spielen zu können, ein Orgelspieler und ein Bälgetreter. Im Gegensatz zu den meisten anderen Orgeln verfügte das Instrument bisher über kein elektrisches Gebläse, um den Balg mit Wind versorgen zu können.
Öffnet man das Gehäuse, erblickt man eine Orgelanlage, die mit viel Liebe zum Detail auf hohem handwerklichen Niveau und in solider Verarbeitung gefertigt wurde. Die über Jahrzehnte entstandene Patina trägt ihren Teil zur Steigerung der Ausstrahlung des Instrumentes bei. Viel zu selten erlebt man Instrumente, deren Reiz sich wie hier aus einer Mischung von Schönheit, Schlichtheit und Unberührtheit ergibt.

Über die Geschichte des Instrumentes ist wenig bekannt. Erbaut wurde es von Johann Heinrich Runge aus Hagenow im Jahre 1857. Es verfügt über 6 Register, verteilt auf ein Manual mit angehängtem Pedal. Vieles deutet darauf hin, daß der Umfang der Pedalklaviatur von ursprünglich C-g° erst einige Jahrzehnte später auf C- d1 erweitert wurde. Möglicherweise geschah dies durch seinen Sohn Markus Runge, der nachweislich an dem Instrument gearbeitet hat und von dem uns zumindest durch eine Inschrift auf der Rückseite der Klaviaturleiste bekannt ist, daß er am 14. 8. 1934 die Orgel gestimmt hat. Archivunterlagen über die Orgel sind nicht erhalten. 1917 wurden jedoch mit großer Sicherheit die wertvollen Prospektpfeifen zwangsweise für die Kriegswirtschaft abgeführt. Dies geschah im ganzen Lande und auch die Mirower Orgel blieb davon nicht verschont. Das edle Zinn war begehrter Rohstoff für die Rüstungsindustrie. In der Folgezeit wurden die Prospektpfeifenfelder mit blauem Stoff hinterlegt, und man gewöhnte sich an den Anblick der Orgel "ohne" Pfeifen. Bis heute war dies der gewohnte Anblick. wenn man die Kirche betrat. Erst 84 Jahre später, mit der jetzt abgeschlossenen Restaurierung, sind wieder glänzende Prospektpfeifen zu sehen. Auf ihren Rückseiten sind jeweils die Namen der Spender eingraviert, die es ermöglichten, diese Spätfolge des I. Weltkrieges zu beseitigen. Um die Prospektpfeifen in der originalen Legierung fertigen zu können, wurde eine Materialanalyse von einer Innenpfeife der Prospektpfeifenfortsetzung angefertigt. Diese ergab, daß das Pfeifenwerk aus einer 60%igen Zinnlegierung hergestellt wurde.

Wiedereinbau und Intonation der Pfeifen Die Orgel verfügt insgesamt über 378 Pfeifen. 23 davon stehen im Prospekt. 94% des Pfeifenwerkes sind noch im Originalzustand erhalten. Dies ist für eine Orgel diesen Alters ein außergewöhnlich hoher Anteil an Originalsubstanz. Sieht man einmal von dem Hinzufügen eines angehängten Pedals ab, so wurden an der technischen Anlage des Instrumentes seit der Erbauung keinerlei Veränderungen vorgenommen.
Allein das Dach wurde abgenommen und das Gehäuse erhielt einen neuen Farbanstrich, der seit den 1930iger Jahren dem Rotton entspricht, in dem sämtliche Ausstattungstücke der Kirche gehalten sind. Die ursprüngliche Farbfassung ist an einigen Stellen noch zu sehen. Mit dem Beginn der Restaurierung wurden Schutt und Staub, die sich in den letzten Jahren angesammelt hatten, beseitigt. Das Pfeifenwerk, der Balg sowie die Manual- und die Pedalklaviatur wurden ausgebaut. Hinter der Pedalklaviatur kamen Notizzettel zum Vorschein mit Liedangaben für den Organisten, die bis in das Jahr 1929 zurückdatierten. Sollte wirklich seither hier nicht mehr Staub gewischt worden sein? Zwei Vogelskelette gehörten zu den weiteren Kuriositäten, die zwischen dem Pfeifenwerk zum Vorschein kamen. Das Leder des Balges war brüchig und verbraucht. Die Undichtigkeiten des Balges dürften der Hauptgrund gewesen sein, weswegen die Orgel als unspielbar galt. Der vollkommenen Neubelederung des Balges wurde ein großer Teil der Arbeitszeit gewidmet. An der Klaviatur mußten einige fehlende Tastenbeläge aus Ebenholz erneuert werden. Das Pfeifenwerk wurde restauratorisch überarbeitet. Die vom Holzwurm befallenen Orgelteile wurden mit einem Wurmbekämpfungsmittel behandelt. An den Balg wurde ein elektrischer Gebläsemotor angeschlossen. Viel Sorgfalt wurde hierbei verwendet, diesen Eingriff möglichst wenig sichtbar zu gestalten. Eingriffe in die historische Substanz wurden so gering als möglich gehalten. Eine Unterbringung des Orgelmotors im Innern des Instrumentes war auf Grund beengter Platzverhältnisse nicht möglich. Dies führte dazu, daß der Motor außerhalb des Gehäuses hinter der Orgel aufgestellt wurde. Der zum Balg führende Windkanal wurde unterhalb der Emporendielung unsichtbar verlegt. Ein Teilstück dient gleichzeitig als Emporendielung. Es sind nun zwei Betriebsarten möglich. Einerseits der Betrieb mittels Orgelmotor und andererseits, wie seit altersher, die Erzeugung des Windes mit Hilfe eines Bälgetreters.

Rund 400 Arbeitsstunden waren notwendig, um das Instrument wieder erklingen zu lassen. Ein gerechtfertigter Aufwand, handelt es sich doch um ein Instrument, welches auf Grund seines Erhaltungszustandes, sowohl in klanglicher, als auch in technischer Hinsicht, als wertvolles Denkmal des mecklenburgischen Orgelbaus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts anzusehen ist.

Möge das Bewußtsein dafür wachsen, welch' Schatz sich in dieser Kirche befindet. Möge es mit seinen Klängen vielen Menschen Freude bereiten. Möge es durch seine Klänge die Menschen zusammenzubringen, um vielleicht gar über den Kunstgenuß Hinausgehendes verbindend zu erleben.

Dresden, im Juni 2001
Andreas Hahn


Eine Festschrift zur Wiedereinweihung der Runge-Orgel in Mirow, ist bei der Kirchgemeinde Uelitz zu beziehen Kirchgemeinde.Uelitz@t-online.de

http://home.t-online.de/home/Kirchgemeinde.uelitz/links.htm


 

Der Orgelbauer Johann Heinrich Runge
von Jan von Busch

Ansicht OrgelprospektÜber das Leben von Johann Heinrich Runge ist bislang relativ wenig bekannt, obwohl er als Ur-Mecklenburger die Gegend seiner Heimat über fast ein halbes Jahrhundert bedeutend geprägt hat. Geboren wurde er am 1.April 1811 in seiner Heimatstadt Hagenow- im gleichen Jahr also wie z.B. Franz Liszt oder Runges bedeutender Kollege Friedrich Wilhelm Winzer aus Wismar. Mit ersterem sind wir Heutigen hinreichend vertraut und wissen somit Runge seinem Zeitumfeld gut zuzuordnen. Dafür wird er selbst seinen berühmten Altersgenossen wenig wahrgenommen, seine Musik wohl auch kaum gehört haben. Mit Sicherheit kannte er aber seinen Konkurrenten aus Wismar persönlich, welchen die meisten von uns wiederum kaum einordnen können, es sei denn, man hat irgendwann Kontakt mit einem seiner wunderschönen Instrumente in Wittenburg, Schönberg, Hohen Viecheln oder anderswo finden dürfen. Mit Winzer verbindet Runge auch der gleiche Lehrmeister, Friedrich Schulze in Paulinzella (Thüringen) nämlich, welcher im 19.Jahrhundert ein hohes Ansehen genoss und ganz Deutschland mit qualitätvollen Werken belieferte. Seine großen Orgeln in den Marienkirchen zu Wismar und Lübeck waren weithin berühmt und sind noch heute in den Ohren vieler Kenner Legende. Doch bevor Runge Friedrich Schulze kennenlernen konnte, absolvierte er eine Lehre als Tischler bei seinem Vater Marcus Detlev Runge. Dies geschah im Anschluss an die Konfirmation, so dass Johann Heinrich im Jünglingsalter bereits fertiger Tischlergeselle war, fest im Begriff, die väterliche Werkstatt einst zu übernehmen.

Schon bald wird Runge gemerkt haben, dass seine Interessen und Fähigkeiten über die Aussicht hinausgriffen, ein Leben lang die väterliche Werkstatt zu führen. Seine handwerkliche Begabung im Umgang mit Holz strebte höheren künstlerischen Zielen zu. Zu welchem Zeitpunkt er mit dem Orgelbau in Berührung kam, wissen wir nicht. Die erste Orgel, die er zu Gesicht bekam, dürfte die seiner Heimatkirche gewesen sein. Das war die 1807 von Friedrich Friese (I) mit 16 Registern fertiggestellte einmanualige Orgel in der alten Hagenower Stadtkirche. Diesen bedeutenden mecklenburgischen Orgelbauer könnte Johann Heinrich Runge noch kennengelernt haben, er starb 1833, als Johann Heinrich 22 Jahre alt war. Intensiven Kontakt pflegte er dann aber später mit Friedrich Friese (II), der neben seiner Orgelbautätigkeit vor allem als Domorganist in Schwerin hervorgetreten ist. Vermutlich hat Runge sich das Orgelbauhandwerk zunächst autodidaktisch angeeignet, später vielleicht durch Studien bei Friese (II) in Schwerin vertieft. Dieser erteilte Johann Heinrich dann auch eine Art Prüfungsgutachten, mit welchem Runge die Voraussetzung für das Erlangen des begehrten Orgelbauprivilegs erhielt. Bevor Johann Heinrich im Jahre 1841 sein Meisterstück erstellte, also erst im Alter von 30 Jahren, muss er die Lehrzeit bei Friedrich Schulze absolviert haben, über deren Ausdauer noch keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Das Meisterstück jedoch ist bis heute erhalten geblieben und wurde von seinem Schöpfer 1845 an die Gemeinde in Klinken veräußert, zu einer Zeit, als Johann Heinrich bereits mit der Arbeit an seiner ersten wirklich großen Orgel in Gadebusch beschäftigt war. In Klinken hatte er sich persönlich bei Pastor Bierstedt in fast rührender Weise für sein gutes Stück eingesetzt und die Gemeinde von der Anschaffung eines Instrumentes überzeugen können. Sogar der Oberkirchenrat gab sein Placet, aber vor allem, alldieweil die Kirche in Klinken in überaus schöner Weise dem gothischen Styl verpflichtet... Mecklenburgische Kenner wussten also schon damals, wo sich die besonders schönen Kirchen befinden. Mit dem Klinkener Instrument zog Johann Heinrich Runge bereits alle Register seines Könnens als gelernter Tischler mit künstlerischen Ambitionen. Er probierte schnitztechnisch so ziemlich alles aus, was die Zeit um 1840 stilistisch zu bieten hatte: Klassizistische Proportionen und Gesimse, neugotische Strukturen (aber noch versteckt), reliefartig geschnitztes vergoldetes Blatt- und Rankenwerk, Strahlengloriole und obendrein ein Zimbelstern, womit Johann Heinrich Runge sich vor seinen barocken Vorgängern tief verbeugte.

Dieses Klinkener Meisterstück muss die Gemeinde sehr beeindruckt haben, so sehr, dass der Ruhm dieses kleinen Werkchens über fast die ganze Lewitz schallte. In den folgenden Jahren erteilten nämlich die meisten der umliegenden Dörfer Aufträge an Johann Heinrich Runge, zunächst Kladrum 1847, dann Dütschow 1850, Garwitz 1854, Raduhn 1858 und schließlich Mirow im Jahre 1857. Nun hätte Runge natürlich ein einmal bewährtes Orgelmodell erarbeiten, an ihm feilen und es, von abweichenden Wünschen der Auftraggeber abgesehen, in stets gleichbleibend qualitätvoller Form in Serie fertigen können, genau wie es sein Kollege Friedrich Lütkemüller aus Wittstock über Jahrzehnte in künstlerischer Kontinuität tat. Das scheint aber gar nicht die Sache eines Johann Heinrich Runge gewesen zu sein. Mit jedem seiner kleinen Werke, und die Betonung auf "jedem" ist nicht übertrieben, bemühte er sich, von neuem zu tüfteln, neue technische Raffinessen auszuprobieren oder dem Gehäuse eine neue, noch nie dagewesene Ausstrahlung zu verleihen. Um sich von nahezu allen zeitgenössischen Orgelbauern abzuheben, besann sich Runge dabei auf seine Herkunft als Tischler und legte den Schwerpunkt der Gestaltung seiner Orgelprospekte nicht auf die Pfeifen (wie es sonst eigentlich immer der Fall ist), sondern auf die Holzarbeit. Diese hatte bei ihm zu dominieren, sie sollte die Augen des Betrachters auf sich ziehen. Die Pfeifen selbst sollten ganz bescheiden wirken, gewissermaßen beiläufig in einer Reihe stehend, ihre Labien (Pfeifenmünder) hübsch immer auf der gleichen Höhe wie die Nachbarpfeife haltend. Die Ideen stammten mit Sicherheit immer von Runge selbst, wobei Friedrich Schulzes Vorbild natürlich Pate stand, welcher grundsätzlich stumme Prospekte baute, die zeitweilig sogar gar keine Pfeifen enthielten und dann mehr an klassizistische Schrankwände als an Orgelprospekte erinnerten.
In Mirow entstand dabei ein Modell, das in ähnlicher, aber abgewandelter Form auch in Garwitz erscheint: Drei kleine Pfeifenfelder werden durch zwei durchbrochene Schmucköffnungen voneinander getrennt, die von innen mit Gaze verhängt sind. So entstand ein durchaus interessanter lebendiger Prospekt, der wie fast alle anderen Gesichtsfelder von Runge-Orgeln eigentlich nie langweilig wirkt. Fast ebenso großen Wert legte Runge auf die Gestaltung der öffentlich eigentlich nicht sichtbaren Rück- und Seitenwände. Hier gibt es mehre kleine und große Füllungen, die einzeln herausnehmbar sind und verschiedene technische Teile wie die Pfeifenkammer, den Windkasten oder die Balganlage verdecken. Technisch ist die Mirower Orgel einfach, aber solide gehalten. Anderswo experimentierte Runge auch in diesem Bereich mit Neuerungen. Am interessantesten ist vielleicht die Orgel in Frauenmark, wo ein zweites Manual ausschließlich aus so genannten Transmissionsregistern besteht, welche eigentlich die gleichen Pfeifen benutzen wie das erste Manual, nur um eine Oktave versetzt.

Zur großen Tragik in Johann Heinrich Runges Lebenswerk zählt die Glücklosigkeit in der Fertigung größerer Instrumente. Von seinen wirklich großen Instrumenten hat kein einziges überlebt. Weder in Gadebusch, noch in Hagenow oder gar im fernen holsteinischen Oldesloe, wohin Runge im Jahre 1863 sein vielleicht größtes selbständig erbautes Werk lieferte. Diese Orgel bestand nicht einmal vierzig Jahre. Grund dafür war mit Sicherheit weniger ein grundsätzlicher Qualitätsmangel als vielmehr kleine Schwachpunkte im Detail, die zunächst keine Rolle spielten und erst nach einiger Zeit den größeren Instrumenten umso mehr zu schaffen machten. Es war bei fast jeder Orgel die Balganlage, die zum Problem wurde. Wahrscheinlich hätte man dem Mangel in jedem Fall durch kleine unwesentliche Handgriffe beikommen können. Für die Organisten, die an größeren Orgeln natürlich in der Regel fest angestellt waren und auch über mehr Können verfügten als die Kollegen auf dem Dorf, war so etwas jedoch immer eine günstige Gelegenheit, eine neue Orgel zu verlangen und somit auf der Höhe der technischen Errungenschaften zu bleiben. So bleibt uns heute die Orgel in Dömitz als Johann Heinrich Runges größte erhaltene Orgel (19 Register), gefolgt von Picher mit 12 und Frauenmark mit 8 Registern (plus fünf Transmissionen). Den weitaus größten Anteil seines Opus stellen jedoch die vielen kleinen einmanualigen Dorforgeln mit einem Umfang von vier bis acht Registern. Jedes dieser kleinen Instrumente hat seine unverwechselbare Eigenheit, die es erhaltenswert macht. Mirow ist nun eines der ersten Instrumente, die der Gemeinde und den Orgelkennern aus nah und fern einen Eindruck geben können von Johann Heinrich Runges technischen und klanglichen Fähigkeiten. Die Vielseitigkeit ist das wichtigste Wesensmerkmal im Reigen der Schwesterinstrumente und wiegt die vielleicht insgesamt etwas geringe Zahl von ungefähr 25 Neubauten von Johann Heinrich Runge auf.

Am 25.Februar 1885 starb Johann Heinrich Runge im Alter von 73 Jahren in Hagenow. Sein Sohn Marcus war noch nicht alt genug, die väterliche Werkstatt zu übernehmen. Eine einmalige Chance war gegeben, als 1896 Friedrich Friese (III) in Schwerin starb. Marcus Runge konnte nicht nur dessen Werkstatt übernehmen, sondern gleichzeitig auch deren Ruhm, welcher ihm in den folgenden Jahrzehnten fast ständig volle Auftragsbücher bescherte. Von den handwerklichen Qualitäten seines Vaters hat er aber nicht mehr viel profitieren können oder wollen. Marcus Runge stieg sofort auf die neue Technik der Pneumatiksteuerung um und baute im technisch gewandelten Stil seiner Zeit. Die Ästhetik seines Vaters mit der sehr individuellen künstlerischen Profilierung hat er dabei nicht wieder erreicht.

Schwerin, im Juni 2001
Jan von Busch
jvbuschde@yahoo.de