Evangelisch-Lutherische Kirche zu Oelsnitz

Evangelisch-Lutherische Kirche zu Oelsnitz

Erbauer: Gebrüder Nagel 1872
Restaurierung:
Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH 2001
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Ladensystem: Schleifladen


Disposition:

   
I. MANUAL, HAUPTWERK C-f3   II. MANUAL, OBERWERK C-f3
  1. Bordun
16'
  11. Quintatön
8'
  2. Principal
8'
  12. Gedackt
8'
  3. Rohrflöte
8'
  13. Aeoline
8'
  4. Gambe
8'
  14. Principal
4'
  5. Octave
4'
  15. Rohrflöte
4'
  6. Gemshorn
4'
  16. Spitzflöte
2'
  7. Quinte
3'
   
  8. Octave
2'
     
  9. Terz
1 3/5'
   
10. Mixtur
III
     
 
   
PEDAL C-d1
  NEBENREGISTER UND SPIELHILFEN
17. Violonbass
16'
  Manualkoppel
18. Subbass
16'
  Pedalkoppel
19. Octavbas
8'
  Klingel
       

 

Anmerkung zur Restaurierung des Instrumentes
von Andreas Hahn (Jehmlich Orgelbau Dresden)

Die technische Anlage der Orgel ist übersichtlich und vorbildlich. Sie ist vollständig erhalten. Alle Orgelteile sind handwerklich hervorragend gefertigt. Die klangliche Substanz wurde durch die Umdisponierung von 2 Registern im Laufe der Geschichte verändert. Im Rahmen der im Oktober und November 2001 durchgeführten Restaurierung wurde das Instrument gründlich gereinigt und in Stand gesetzt. Das Pfeifenwerk wurde restauratorisch überarbeitet. Um das Pfeifenwerk beim Einstimmen nicht zu sehr zu belasten wurden insgesamt 56 selbsthaltende Stimmringe aus Neusilber gesetzt. Risse in den Kanzellenspunden wurden ausgespänt und mit Pergament überklebt. Die zwei nicht zur originalen Disposition gehörenden Register Salicional 8' und Vox coelestis 8' wurden entfernt. Die geplante Rekonstruktion der ursprünglichen Register Terz 1 3/5' im I. Manual und Spitzflöte 2' (ggf. Gems-horn 2') im II. Manual, sowie die Rekonstruktion der Prospektpfeifen in Zinn bleibt einem zukünftigen Bauabschnitt vorbehalten.

 

Die Orgelbauer Nagel in Großenhain
von Jiri Kocourek

Gottlob Heinrich Nagel wurde 1805 wahrscheinlich in Grünberg geboren und starb 1883 in Großenhain.
Um 1824/26 (spätestens 1830) gründete er in Großenhain eine Orgelbauwerkstatt. Sein Lehr-meister ist nicht bekannt, stilistisch ähneln seine frühen Orgeln denen der Dresdner Werkstatt Kayser (und deren Nachfolgers Fr. N. Jahn). Sein Erstlingswerk entstand bereits 1826 oder 1830 in Reichenbach bei Kamenz. Bis 1869 sind mir 22 Orgelneubauten und einige weitere Arbeiten bekannt.
Fast durchweg handelt es sich um einmanualige Orgeln mit Pedal und 6 bis 13 Registern, zweimanualig waren nur Oberebersbach und die nicht autorisierte Orgel in Lomnitz; die Orgel in Naunhof erhielt ihr II. Manual nachträglich.

Wahrscheinlich um 1870 traten die Söhne Karl Theodor (1837 - 1917) und Bernhard August (1846 - 1932) in die Firma ein, die fortan als "Gebr. Nagel" firmiert. In den 1870er Jahren erlebte die Firma ihren größten Aufschwung. Allein in diesem Jahrzehnt entstanden 6 mittel-große zweimanualige Orgeln mit 18 - 20 Registern (um 1870 Krakau II/18, 1867 oder 1871 Schwepnitz II/18, 1872 Oelsnitz/bei Großenhain II/19, 1876 Ottendorf-Okrilla II/19, 1878 Berggießhübel II/19, 1879 Blankenstein II/20).
Die Orgel in Blankenstein ist das größte Werk der Firma. Außerdem entstanden im gleichen Zeitraum 3 kleinere Orgeln mit 1 bzw. 2 Manualen und 11 oder 12 Registern und einige Umbauten bzw. Reparaturen. Diese 9 Orgeln der Gebr. Nagel weisen stilistisch Ähnlichkeiten mit den Orgeln der Firma Jehmlich auf. Es ist nicht auszuschließen, daß Jehmlich (Dresden) Lehrmeister der Brüder war.

Ab 1880 bricht die nachweisbare Aktivität der Firma fast schlagartig ab. Es sind mir bis jetzt nur 1 Neubau (1890) mit 12 Registern und 2 Reparaturen bekannt. Möglicherweise finden sich noch weitere Orgeln in Südostbrandenburg. Es scheint aber auch, daß die Söhne nach dem Tod des Vaters den Orgelbau nur noch als Gelegenheitshandwerk betrieben. Offenbar war auch der Konkurrenzdruck von Jahn und Jehmlich in Dresden, Keller in Ostrau, Kreuzbach in Borna sowie den neuen Firmen Schuster, Eule und ab 1905 auch Voigt, die alle im Bereich um Großenhain tätig waren, zu groß geworden. Die Firma soll jedoch bis in die 20er Jahre noch tätig gewesen sein.

Alle 31 bekannten Nagel-Orgeln bis 1879 haben mechanische Schleifladen. In der Fachliteratur werden 1888 Kegelladen nach eigener Ausführung Nagels beschrieben, für die ich bis jetzt keinen Beleg gefunden habe (das Windladensystem in Gorßkoschen 1890 ist mir noch nicht bekannt). Die meisten enthaltenen Gebläseanlagen sind Kastenbälge. Berggießhübel 1878 hat außerdem in der Orgel über dem Pedalwerk einen einfaltigen Keilbalg (als Magazin). Die Prospektpfeifen sind weitgehend klingend. Vor allem die Orgeln der Gebr. Nagel aus den 1870er Jahren sind sehr solide, sauber, übersichtlich und schön gearbeitet. Klanglich entsprechen sie dem Typ der sächsisch-hochromantischen Orgel der Dresdner Schule. Eine Besonderheit ist die frühe Verwendung der Aeoline 8' als zartem Streicher ab etwa 1860 (etwa zeitgleich mit C. E. Jehmlich).