Mariä-Annunciation Church Bardo / Polen

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builder: F. J. Eberhard / C.G.Schlag (1758 / 1875)
restoration: Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH, 2011-2013
key action: mechanical
stop action: mechanical
system of chest: slider chest
I. GREAT ORGAN C – f 3
1. Principal
16'

2. Bordun
16'

3. Principal
8'

4. Hohlflöte
8'

5. Doppelflöte
8'

6. Gambe
8'

7. Gemshorn
8'

8. Spitzquinte
5 ⅓

9. Octave
4

10. Doppelrohrflöte
4'

11. Gemshorn
4'

12. Quinte
2 ⅔'

13. Octave
2'

14. Mixtur
IV

15. Cornett
III-IV

16. Trompete
8'
II. MITTELWERK C – f 3
17. Quintatön
16'

18. Principal
8'

19. Portunalflöte
8'

20. Flaute
8'

21. Gemshorn
8'

22. Salicet
8'

23. Octave
4'

24. Portunalflöte
4'

25. Quinte
2 ⅔'

26. Octave
2'

27. Mixtur
V

28. Clarinette
8'
III. OBERWERK C – f 3
29. Liebl. Gedackt
16'

30. Prinzipal
8'

31. Salicional
8'

32. Flaut amabile
8'

33. Octave
4'

34. Flaute
4'

35. Spizquinte
2 ⅔'

36. Octave
2'

37. Mixtura
III

38. Oboe
8'
PEDAL C – d1
39. Subbass
32'

40. Principal
16'

41. Violon
16'

42. Gambenbass
16'

43. Subbass
16'

44. Quintbass
10 ⅔'

45. Octavbass
8'

46. Flötbass
8'

47. Cello
8'

48. Octavbass
4'

49. Posaune
16'

50. Trompete
8'
COUPLERS AND REGISTRATION AID
coupler I/P, II/P, III/P
cut-out ventil Great Organ, Mittelwerk, Oberwerk, Pedal, great Pedal
wind outlet , bellows signal

WS 80 mm, pitch level 439 Hz bei 18°C
Bardo, Abbau vor Ort 2010
Bardo, Arbeiten in unserer Werkstatt

Bardo, Restaurierte Orgel in Bardo

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Die Orgel in Bardo

3 Manuale und Pedal, 50 Register Das Instrument stellt im gewachsenen Bestand ein Denkmal von kultur- und regionalgeschichtlich herausragender Bedeutung dar. Es beinhaltet einen Instrumentenschatz, der sowohl einen großen Teil der ursprünglichen Klangsubstanz aus dem 18.Jh. in sich birgt, als auch in seiner Gesamtheit eine in sich geschlossene handwerkliche herausragende Leistung aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. darstellt


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Die Restaurierung der Eberhard/ Schlag-Orgel Auszug aus dem Restaurierungsbericht von Andreas Hahn

Die Orgel in der Kirche zu Bardo besticht auf den ersten Blick durch ein Gehäuse von beeindruckender Schönheit. Es ist bestückt mit einem himmlischen Orchester. Die aus Holz geschnitzten Musiker tragen täuschend echte Nachbildungen von Orchesterinstrumente in den Händen. Selbst aus der Nähe betrachtet kommen Zweifel auf, ob es sich nicht doch um echte Instrumente handelt. Die Detailtreue ist enorm. Angefangen von der Handhaltung der Musiker, der Ausarbeitung ihrer Fingerglieder, bis hin zu den Darmsaiten der Harfe – alles scheint nur darauf zu warten zum Leben erweckt zu werden. Die Instrumente sind bereit, mit ihrem Klang den Raum zu erfüllen. So der Anschein von außen. Zwar ist das Orchester immer noch stumm, zumindest jedoch die Orgel im Innern des Gehäuses ist nun im Rahmen einer über zweieinhalb Jahre andauernden Restaurierung wieder zum Klingen gebracht worden. Das Instrument stellt ein Denkmal von kultur- und regionalgeschichtlich herausragender Bedeutung dar. Das opulent angelegte Gehäuse zählt zu den herausragendsten Leistungen des barocken Orgelbaus in Schlesien. Es beinhaltet einen Instrumentenschatz, der sowohl einen großen Teil der ursprünglichen Klangsubstanz aus dem 18.Jh. in sich birgt, als auch in seiner Gesamtheit eine in sich geschlossene handwerklich herausragende Leistung der zweiten Hälfte des 19. Jh. darstellt. Das Instrument blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Der Vertrag zu ihrem Bau wurde am 11. September 1755 mit dem Breslauer Orgelbauer Frantz Joseph Eberhardt abgeschlossen. Die Fertigstellung erfolgte vier Jahre später – 1759. Die Kosten der 50 Register und drei Manuale umfassenden Orgel waren auf 3000 Thaler veranschlagt. Dieses hochbarocke Instrument hatte jedoch lediglich 116 Jahre Bestand. Im Jahre 1875 wurde es in seinem Innern entkernt und durch einen vollkommenen Neubau ersetzt. Dieser wurde von der renommierten Schweidnitzer Firma „Heinrich Schlag vormals Gebrüder Schlag“ ausgeführt. Lediglich einige Teile des Pfeifenwerkes sowie die 6 Keilbälge wurden in leicht modifizierter Form beim Bau der neuen Orgel wieder verwendet. Der technische Aufbau der Orgel wurde seinerzeit neu und nach vorherrschenden zeitgenössischen Standards gebaut. Selbst eine Barkermaschine zum Zwecke der Erleichter-ung der Spielart des ersten Manuals wurde mit eingebaut. Im Jahre 1938 führte die Orgel-baufirma Sauer aus Frankfurt/Oder eine umfangreiche Überholung durch. Auf Grund der hohen Bedeutung die dem Instrument innerhalb der Orgellandschaft Schlesiens zukommt erfolgte 1984 eine umfassende Bestandserfassung und Dokumentation. Dabei wurden einige Register modifiziert. In den folgenden Jahrzehnten gab es nur geringfügige Instandhaltungsarbeiten an der Orgel. Dementsprechend mangelhaft war der Zustand der Orgel zu Beginn der dringend notwendigen Restaurierungsarbeiten im September 2010. Das erste Manual war seit etlichen Jahren unspielbar. Die Barkermaschine hatte ihren Dienst schon seit langer Zeit aufgegeben. Die Keilbälge wiesen gerissenes und mehrfach notdürftig geflicktes Leder auf. Die beiden anderen Manuale waren nur noch eingeschränkt spielbar. Ein Teil des Pfeifenwerkes wies derart starke Deformationen auf, dass der Klang entweder vollständig verstummt war oder sich nur noch eingeschränkt entfaltete. Ein kleinerer Teil des Pfeifenwerkes war ausgebaut worden und lag zu kleinen Häuflein aufgeschichtet in der Orgel. Die Dicke der Schmutzschicht im Innern der Orgel war enorm. Sie schien die Mutmaßung zu bestätigen, dass diese sich über 70 Jahren hinweg ungestört hatte aufbauen können. Der Englische Orgelbauer Charles Spackman Barker gilt als Erfinder dieser „pneumatischen Maschine“, die umgangssprachlich als „Barkermaschine“ bezeichnet wird. Diese wurde 1832 erstmals in einer Orgel des französichen Orgelbauers Cavaill- Coll eingebaut und späterhin von vielen anderen Orgelbauern in teilweise abgewandelter Form verwendet. Das Restaurierungskonzept sah vor, die Orgel in ihrem gewachsenen Bestand zu erhalten. Eine Rückführung auf den ursprünglichen Bestand von Eberhard wurde auf Grund der bei weitem überwiegenden Anteile Schlags nicht weiter erwogen. Die Restaurierungsarbeiten erstreckten sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren. Ausgeführt wurden sie zwischen September 2010 und April 2013. Insgesamt wurden mehr als 8700 Arbeitsstunden aufgewendet. Ein Großteil der Arbeiten wurde dabei in der Kirche ausgeführt. Lediglich das Metallpfeifenwerk, mit Ausnahme der Prospektpfeifen, die Barkermaschine, die Klaviaturen und vier der insgesamt neun Windladen wurden in die Werkstatt nach Dresden zu deren restauratorischer Überarbeitung überführt.