Welte-Kino-Orgel im Musikinstrumentenmuseum Leipzig


Leipzig Grassimuseum - Info
Erbauer:Fa. Michael Welte & Söhne
Restaurierung:Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH 2005-2006
Spieltraktur:elektro-pneumatisch
Registertraktur:elektro-pneumatisch
Ladensystem:Multiplex-Kastenladen, Tonsteuerung durch Hufeisenmagnete
I. HAUPTWERK C – c4
1. Viol d‘ orchestra
8'

2. Vox coelestis
8'

3. Traversflöte
8'

4. Tibia clausa
8'

5. Vox humana
8'

6. Vox humana Echo

7. Oboe
8'

8. Saxophon
8'

9. Violine
4'

10. Flöte
4'

11. Vox humana
4'

12. Quinte
2 ⅔'

13. Aeolsharfe
2'

14. Flageolet
2'

15. Terz
1 ⅗'

16. Harfe

Streicher Tremolo

FlötenTremolo

Zungen Tremolo
II. SCHWELLWERK C – c4
17. Bordun
16'

18. Vox humana
16'

19. Saxophon
16'

20. Aeoline
8'

21. Vox coelestis
8'

22. Flöte
8'

23. Tibia clausa
8'

24. Vox humana
8'

25. Vox humana Echo
8'

26. Oboe
8'

27. Saxophon
8'

28. Violine
4'

29. Tibia
4'

30. Oboe
4'

31. Quinte
2 ⅔'

32. Aeolsharfe
2'

33. Piccolo
2'

34. Terz
1 ⅗'
PEDAL C – f1
35. Stillgedeckt *
16'

36. Subbass
16'

37. Cello
8'

38. Flötenbass
8'

39. Fagott
8'

40. Saxophon
8'

41. Oktave
4'
EFFEKTE (31 Stück)
Vibraphon
Pauken
Becken
Kleine Trommel
Tamburin
Castagnetten Holzblock
Schlittenschellen Stahlharmonika
Xylophon
Kleine Trommel
Becken
Große Trommel
Gong stark
Gong schwach
Gong Wirbel
Glockengeläut
Große Glocke
Vogelgesang I
Vogelgesang II
Telephon
Alarmsignal
Kleine Sirene
Schiffsirene
Claxon
Lokomotivpfiff
Eisenbahn
Wassergeräusch
Regen
Sturm
Donner
KOPPELN UND SPIELHILFEN
Koppeln: I/P, II/P, II/I, II/I super, I super, II super

Spielhilfen unter I. Manual:
A, Dolce, Forte, Bordun 16‘, Vox hum. 16‘, Saxophon 16‘, Horn 8‘, Vox hum. 8‘, Saxophon 8‘, Tutti, Fr. Ko. I, Fr. Ko. II, Handr. AB, A

Fußtritte: Donner, Sturm, Kleine Sirene, Schiffsirene, Gong stark, Große Glocke, Schwelltritt, Registerschwelltritt, Große Trommel, Becken stark, Kleine Trommel


Auszüge aus dem Restaurierungsbericht von Andreas Hahn
Geschichtliches zur Welte-Kino-Orgel

Kinoorgeln kamen erstmals während der Stummfilmzeit in Mode. Die Kinoorgel ersetzt mit ihrer Klangvielfalt ein ganzes Orchester bzw. imitiert seine Stimmen. Bevor die Orgel ihren triumphalen Einzug in Kinos und Theatern hielt, wurden die Filme und Revuen von Orchestern in einer Stärke von manchmal bis zu etwa hundert Musikern begleitet. Mit der Anschaffung einer solchen Kinoorgel ließen sich auf Dauer gesehen die laufenden Kosten erheblich reduzieren. Außerdem war ein eigens dafür angestellter Organist eher in der Lage, sein Spiel dem rasch wechselnden Geschehen auf der Leinewand anzupassen.

Das, was uns heute an diesem Instrument gegenüber der Kirchen- bzw. Konzertorgel so fasziniert, sind die Besonderheiten, die uns solch ein Instrument bietet.
Im Unterschied zu den Kirchenorgeln arbeiten sie mit einem wesentlich höheren Winddruck und verfügen zusätzlich zu dem Pfeifenbestand über eine umfangreiche Anzahl von Spezialeffekten, die zur Untermalung der Stummfilme unerlässlich sind.
Die Ausrichtung der Disposition auf die Imitation des Orchesterklangs zeigt sich einerseits in der Benennung der Registerbezeichnungen wie Violonbass, Traversflöte, Violine, Viol d´orchestre, Traversflöte, Piccolo, Cello, Saxophon, Oboe, Clarinette, Harfe, andererseits aber auch in einem Klangaufbau, der allgemein weniger auf die Herausarbeitung charakteristischer Einzelstimmen als vielmehr auf die orchestrale Synthese, das Einpassen der einzelnen Register in ein klangliches Gesamtkonzept abzielt.
Die Verwendung von Transmissionen, Oktavkoppeln und Registerschwellern entspricht dem Orgelbau jener Jahre.
Schließlich führte die Verteilung der Register auf ein in zahlreiche Einzelladen zerstückeltes System aus dem Blickwinkel der Orgelbewegung, zu dem Begriff der Fabrikorgel. Dieser Begriff mochte im Bereich des rein Handwerklichen seine Gültigkeit haben im Bezug auf den Aufbau der Disposition traf er aber nicht zu.

Die Kinoorgel ist auf dem Multiplex – System aufgebaut. Das heißt, dass mit einer nur geringen Pfeifenanzahl, eine möglichst große Zahl von Registern erzielt werden soll.
Der Überblick über den Registerbestand der beiden Manuale und des Pedals, macht deutlich, dass bei vergleichsweise geringem Aufwand eine sinnreich abgestimmte, vielseitige und doch leistungsfähige Disposition vorliegt.

Gebaut wurde das heute sehr selten gewordene Instrument im Jahre 1930 von der Firma Welte & Söhne in Freiburg im Breisgau. Die Firma wurde im Jahre 1832 gegründet.
Die Firma war am Anfang sehr bekannt durch den Bau kleinerer Musikwerke und Spieluhren. Sie entwickelte eine große Meisterschaft im Bau von Orchestrions. Nach der Jahrhundert-Wende erfuhr die Firma einen enormen Aufschwung mit dem Welte – Mignon-Klavier und dem inzwischen legendären Verfahren der Aufzeichnung des Klavierspieles auf Lochstreifen. Durch die Einführung des Stummfilmes kam es noch einmal zu einem Aufschwung. Welte entwickelte eine für die Kinotheater speziell angefertigte Kinoorgel, die die Aufgabe der sonst den Stummfilm begleitenden Orchester ersetzen konnte.

Die jetzt in Leipzig eingebaute Kinoorgel war vermutlich eines der letzten Instrumente, denn mit dem Jahr1930, der Einführung des Tonfilmes, ging die Ära der Kinoorgel zu Ende. Das Bestehen, der in der Welt sehr berühmt gewordenen Firma Welte & Söhne endet leider mit der Zerstörung der Fabrik im zweiten Weltkrieg.