Kath. Kirche St. Mariä Himmelfahrt Ostritz


Ostritz - Info
Erbauer: Carl Eduard Jehmlich 1978 (opus 60)
Restaurierung und Rekonstruktion: Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH 2012-2013
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: mechanisch
Ladensystem: Schleiflade
I. HAUPTWERK C – e3
1. Bordun
16'

2. Principal
8'

3. Rohrflöte
8'

4. Gambe
8'

5. Octave
4'

6. Gemshorn
4'

7. Quinte #
3'

8. Octave
2'

9. Terz #
1 ⅗'

10. Mixtur
IV
II. HINTERWERK C – e3
11. Gedackt
8'

12. Flöte °
8'

13. Fugara °
8'

14. Principal
4'

15. Rohrflöte #
4'

16. Nassat
2 ⅔'

17. Gemshorn
2'

18. Mixtur
III
PEDAL C – d1
19. Subbaß
16'

20. Principalbaß
8'

21. Gedacktbaß
8'

22. Quintbaß *
5 ⅓'

23. Choralbaß *
4'

24. Posaunenbaß
16'
KOPPELN UND SPIELHILFEN
Manualkoppel
Pedalkoppel
Calcantenklingel

* auf pneumatischer Zusatzlade
° Teilrekonstruktion
# Rekonstruktion


Auszug aus dem Bericht über die Restaurierung und Rekonstruktion 2012/2013 von Andreas Hahn
Zur Geschichte der Orgel

Erbaut wurde die Orgel mit 22 Registern, verteilt auf 2 Manuale und Pedal, durch Carl Eduard Jehmlich aus Dresden. Der Vertrag zum Bau der Orgel wurde am 22. Dezember 1875 unterzeichnet. Die Fertigstellung wurde darin für spätestens den 1. Juli 1878 vereinbart. Als Baukosten wurden 10.050,- Reichsmark veranschlagt. Die Abnahmeprüfung erfolgte am 15. November 1878 durch Herrn Joseph Löbmann, Direktor der katholischen Bürgerschule in Leipzig.

Dieser lobte das Instrument in höchsten Tönen. „Das kleinste, unscheinbarste Stück der Arbeit lässt den gewissenhaften Meister, den Künstler seines Faches erkennen. Die Prinzipalstimmen sind streichend, ohne schneidend und spitz zu werden, die Flötenstimmen zart, lieblich und edel, besonders ist Flöte 8’ im Oberwerk, eine Erfindung des Meisters, eine herrliche Stimme und Fugara 8’ eine Stimme von hinreißender Schönheit, eine Engelstimme… .“

Der außergewöhnlich hohe Erhaltungsgrad an originaler technischer Substanz sowie die klare Konzeption der Orgelanlage und die hervorragende handwerkliche Verarbeitung aller Orgelteile machen das Instrument zu einem wertvollen Denkmal des Sächsischen Orgelbaus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Im Laufe seiner Geschichte blieben dem Instrument Eingriffe in seine klangliche Substanz nicht erspart.

Trotz eines hervorragenden Abnahmegutachtens, in welchem die Qualitäten des Instrumentes in überschwänglicher, fast poetischer Form gelobt wurden, entsprach es schon wenige Jahrzehnte später in klanglicher Hinsicht nicht mehr dem Zeitgeschmack. In Folge wurde es zuerst umdisponiert und späterhin erweitert.

Der lange Weg bis zur Restaurierung

Die Bemühungen um eine Restaurierung, sowie später hinzu kommende Überlegungen zur Rückführung auf den ursprünglichen Zustand, reichten weit zurück.

Am 28.9.1989 wendete sich Pfarrer Stabla aus Ostritz an den VEB Orgelbau Jehmlich mit einem „formellen Antrag auf Reparatur und Generalüberholung der Jehmlich-Orgel“. Zu diesem Zeitpunkt findet eine „Restaurierung der Pfarrkirche“ statt. Seiner Einschätzung nach sind „Arbeiten and der Orgel ebenfalls unbedingt erforderlich“.

Erst am 10.12.1990 erhielt die Kirchgemeinde eine Kosteneinschätzung in Höhe von 26.000,- DM für die Reinigung und Überholung. In Folge der gesellschaftlichen Umwälzungen mit dem Fall der Mauer teilte die Ostritzer Kirchgemeinde mit, dass sie „aus finanziellen Gründen Abstand nehmen muss“ von dem Vorhaben einer Restaurierung der Orgel.
Erst zehn Jahre später wurde ein neuerlicher Kostenanschlag für die Restaurierung und Rekonstruktion der Orgel vorgelegt. Weitere zehn Jahre vergingen bevor dieses Angebot eine Aktualisierung erfuhr. In den Folgejahren verkürzten sich die Aktualisierungsintervalle. Weitere Angebotsaktualisierungen erfolgten am 8. Juni 2011 und 23. Mai 2012, jeweils verbunden mit inhaltlichen Konkretisierungen. Der Vertrag über die Ausführung der Arbeiten wurde letztendlich am 20. bzw. 26.6. 2012 unterzeichnet.

Der lange Weg bis zum Beginn der Arbeiten hatte rückblickend den Vorteil, dass nicht nur, wie anfänglich angedacht, eine Restaurierung der Orgel angestrebt wurde sondern das Konzept ständig in Richtung einer Annäherung an den ursprünglichen Zustand weiterentwickelt und letztendlich auch zur Ausführung gelangte. So ist es als Glücksumstand zu bezeichnen, dass sowohl die Wiederherstellung der originalen Disposition, einschließlich der Rekonstruktion der Prospektpfeifen in Zinn, als auch die Rekonstruktion eines Kastenbalges und der Einbau einer motorischen Balghebeanlage zur Ausführung gelangten.

Die Rekonstruktion eines Kastenbalges dürfte dabei, bezogen auf die sächsische Orgellandschaft, eine Premiere darstellen.

Einen aus denkmalpflegerischer Sicht als Sonderfall zu bezeichnenden Umstand stellt die „Revitalisierung“ der 1955 eingebauten und in den Folgejahren stillgelegten Zusatzregister Quintbass 5 1/3’ und Oktavbass 4’ dar. Nach derzeit gängiger Restaurierungspraxis werden pneumatische Zusatzapparate in mechanischen Orgeln aus dem 19.Jh. als Fremdkörper betrachtet. Bei der Wiederannäherung einer Orgel an deren Originalzustand werden solche Fremdkörper für gewöhnlich entfernt. Gelegentlich genießen sie Bestandsschutz und werden als gewachsener Bestand erhalten. Dass sie jedoch, obwohl in wesentliche Bestandteile verloren gegangen, rekonstruiert werden, stellt einen Sonderfall dar. Es bedurfte intensiver Diskussionen bevor auf Betreiben der Nutzer der Orgel und in Absprache mit den zuständigen Sachverständigen eine Entscheidung für diese Maßnahme gefällt wurde. Hauptargument für die Rekonstruktion der notwendigen Teile und des Pfeifenwerkes bildeten die Erweiterung des Dispositionsspektrums sowie die sich daraus ableitenden musikalischen Möglichkeiten. Da keine zusätzlichen Eingriffe in die technische Substanz hierfür notwendig waren, bestanden von Seiten des Orgelsachverständigen des Landesamtes für Denkmalpflege keine Einwände.

Die Restaurierung und Rekonstruktion 2012/2013

Die Ausführung der Arbeiten begann am 27. August 2012 mit dem Ausbau des Pfeifenwerkes und der Windladen. Zu diesem Zeitpunkt war das Instrument sehr stark verschmutzt. In den letzten 55 Jahren waren lediglich in großen bis sehr großen zeitlichen Abständen kleinere Reinigungs- oder Überholungsarbeiten zur Erhaltung der Spielbarkeit der Orgel durchgeführt worden. Holzwurmbefall konnte in größerem Umfang nicht festgestellt werden. Dafür war in jüngerer Zeit massiver Schimmelbefall hinzu gekommen. Dieser betraf fast alle Holzoberflächen. Die Orgelrück- und Innenwände, die Kastenbälge, das Holzpfeifenwerk, Wellenbretter, Windladen und Klaviaturen waren davon betroffen.

Die Töne C- Dis in der tiefen Oktave des Registers Principal 8‘ (vormals Flöte 8‘) im II. Manual sprachen auf Grund eingesackter Pfeifenfüße nicht an. Die Pfeifen wurden bereits aus den Pfeifenbänkchen entnommen, damit sie durch ihr bevorstehendes Umfallen nicht noch größere Schäden anrichten konnten. Viele Pfeifenmündungen wiesen Deformationen auf. Im Register Posaunenbass 16‘ sprachen viele Töne schlecht oder gar nicht an.

Die Windladen wurden 1955 auf ihren Unterseiten systematisch angebohrt. Dies Auslässe wurden mit Abdeckleisten verblendet. Dies wurde bereits damals schon als provisorische Zwischenlösung auf dem Weg zu einer breiter angelegten Restaurierung angesehen war jedoch notwendig um die Spielbarkeit der Orgel gewährleisten zu können.

Insbesondere an der Klaviatur des I. Manual waren die Untertasten stark abgegriffen. Bei zwei Untertasten fehlen die Vorderstücke der Knochenbeläge vollständig. Dies führte dazu, dass durch das regelmäßige Spiel auf der Orgel bereits die betreffenden hölzernen Tastenkörper mit wannenartigen Vertiefungen durch Abnutzung in Mitleidenschaft gezogen waren.

In der Summe der hier angedeuteten Mängel war zu konstatieren, dass die Orgel sich in einem bedauerlichen und stark restaurierungsbedürftigen Zustand befand.
Das Ziel aller ausgeführten Arbeiten war die Bewahrung der historischen Substanz sowie der Erhalt eines Instrumentes, das allen Anforderungen zur Begleitung von Gottesdiensten und zur Gestaltung von Konzerten wieder gerecht wird. Teile, die nicht mehr im Original vorhanden waren, wurden nach Originalvorlagen detailgetreu rekonstruiert. Der Einhaltung orgeldenkmalpflegerischer Kriterien wurde, gemäß der kulturhistorischen Bedeutung des Instrumentes, oberste Priorität beigemessen.

Reinigung und Schimmelbekämpfung

Die gesamte Orgel wurde nach dem Ausbau des Pfeifenwerkes, der Windladen und der Klaviaturen aufwändig und gründlich gereinigt. Die Schimmelbekämpfung wurde als integraler Bestandteil der Arbeiten angesehen. Sie wurde durch die Firma „bhd Bautenschutz u. Hygienedienstleistung GmbH“ Dresden vorgenommen.