Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli Leipzig


Leipzig Paulinum - Info
Erbauer: Jehmlich Orgelbau Dresden GmbH (opus 1161)
Baujahr: 2016 - 2017
Spieltraktur: mechanisch
Registertraktur: elektrisch
Ladensystem: Schleifladen
I. BRUSTWERK HH – b3
1. Holzgedackt
8'

2. Quintadena
8'

3. Salicional
8'

4. Prinzipal
4'

5. Rohrflöte
4'

6. Nasat
2 ⅔'

7. Oktave
2'

8. Terzflöte
1 ⅗'

9. Larigot
1 ⅓'

10. Scharf IV
1'

11. Krummhorn
8'

Tremulant
II. HAUPTWERK C – a3
12. Großprinzipal
16'

13. Kleinprinzipal
8'

14. Flûte allemande
8'

15. Gemshorn
8'

16. Oktave
4'

17. Spitzflöte
4'

18. Quinte
2 ⅔'

19. Qktava
2'

20. Kornett V
8'

21. Großmixtur V
2'

22. Fagott
16'

23. Trompete
8'
III. OBERWERK C – a3
24. Bordun
16'

25. Prinzipal
8'

26. Hohlflöte
8'

27. Viola da Gamba
8'

28. Lamento
8'

29. Oktave
4'

30. Querflöte
4'

31. Fugara
4'

32. Philomela
2'

33. Piccolo
1'

34. Mixtur III-VI
2'

35. Hautbois
8'

Tremulant
PEDAL C – g1
36. Untersatz
32'

37. Großprinzipalbaß
16'

38. Violon
16'

39. Subbaß
16'

40. Oktave
8'

41. Cello
8'

42. Bordun
8'

43. Weitokave
4'

44. Posaune
16'

45. Trompete
8'

46. Trompete
4'

KOPPELN UND SPIELHILFEN
6 Normalkoppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P (mech. + elektrisch)
2 Suboktavkoppeln: III/I, III/II (elektrisch)
2 Superoktavkoppeln: III/II, III/P (elektrisch)


Pistons:
6 Normalkoppeln I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P
1 Generalkoppel
1 Handregister zur Walze
1 Koppeln aus Walze
2 Sequenzer (<,>)
1 Crescendo an
1 Tutti

Crescendowalze, Schwelltritt BW, Schwelltritt OW
Stimmtonhöhe a1 = 440 Hz bei 21°C


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Gedanken zum Orgelneubau im Paulinum Leipzig von Ralf Jehmlich

Das neu erbaute Paulinum in Leipzig, an Stelle der bis 1968 existierenden Universitätskirche, ist lebendige und augenscheinliche Verbindung von Gegenwart und traditionsreicher Vergangenheit. Die emotionale, hochbewegte Geschichte fasst die Universitätsleitung Leipzig in dem Leitbild „Aus Tradition Grenzen überschreiten“ zusammen.

Dieser Kerngedanke wurde auch für die große Orgel in der Aula angewandt. Eine hochkarätige Orgelkommission, unter Leitung von Prof. Dr. Helmut Loos, hat für eine internationale Ausschreibung der Orgel im Jahr 2007 die Anforderungen herausgegeben und die Umsetzung des Orgelprojektes begleitet.

Die Orgel ist für einen umfangreichen konzertanten, sowie für den gottesdienstlichen Gebrauch und zur Ausbildung von Studenten vorgesehen. Sie soll als Solo- wie auch als Begleitinstrument ihren Dienst leisten. Eine breite Palette von klanglichen, technischen und auch traditionsbezogenen Inhalten des Instrumentes, sowie ein begrenztes Kostenlimit wurden als Zielstellung formuliert.

Der Zuschlag zur Ausführung dieses Orgelneubaus wurde unserer Firma im Jahre 2008 erteilt. Dies erfolgte just im 200. Jubiläumsjahr unserer Orgelbauwerkstatt, die 1808 von 3 Jehmlich-Brüdern gegründet wurde. Unsere große Freude über diesen bedeutenden Auftrag – unser opus 1161 – haben wir mit unserem Anliegen verbunden, hier ein Instrument von außerordentlicher Qualität schaffen zu können.

Die neue Orgel konnten wir, unter Berücksichtigung der vorgegebenen Anforderungen, für ein breit gefächertes Repertoire konzipieren. Das klangstilistische Konzept ist vorrangig an deutscher Orgelmusik des 18. Jahrhunderts orientiert, berücksichtigt jedoch durch farblich differenzierte Grundstimmen auch Kompositionen späterer Epochen. Die Orgel eignet sich besonders gut für Werke von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelsohn Bartholdy und Max Reger, wie auch für spätere Musik bis hin zur Gegenwart. Sie stellt eine stilistische Ergänzung der Leipziger Orgellandschaft dar und beinhaltet eine innovative Bezugnahme zu der 1711-1716 von Universitätsorgelbauer Johann Scheibe erbauten Orgel.

Unser Anliegen war es, ein charaktervolles Orgelwerk zu schaffen, dass auf unserer mitteldeutschen Orgeltradition mit der sächsischen Silbermann-Schule aufbaut.
Dem Klangkörper der Orgel, der mit 46 Registern auf 3 Manualen und Pedal und insgesamt 2951 Pfeifen ausgebildet ist, haben wir der Akustik des Raumes entsprechend, angemessen weite Mensuren gegeben. Eine sorgsam auf den Raum abgestimmte Intonation gibt jedem Einzelregister das charakteristische Profil und eine musikalisch ausgewogene Mischbarkeit in Kombination mit den anderen Stimmen. Die Klänge reichen von zartesten Tönen bis zu einem erhabenen glanzvollen Gesamtklang mit elementarer Kraft und Gravität.

Die modern ausgeprägte Spielanlage weist einen hohen Spielkomfort auf. Dem Organisten stehen sowohl eine mechanische, als auch eine elektrische Tontraktur zur Verfügung. Die elektrische Registeransteuerung ist mit einer Setzeranlage ausgestattet, die eine Speicherkapazität für 30.000 Kombinationen und Touch-Screen-Bedienung beinhaltet.
Neben frei programmierbaren Registercrescendi, kann die Klangdynamik der Orgel mit zwei schwellbaren Manualwerken gestaltet werden. Auch die Anforderungen für das Continuo-Spiel zur Interpretation von Werken früherer Epochen, wurden durch das um einen Halbton nach oben und unten transponierbare Brustwerk und 3 korrespondierenden Pedalregistern erfüllt.
Eine MIDI-Schnittstelle, die eine Speicherung und Wiedergabe von eingespielten Melodien und Improvisationen, sowie einen Notenausdruck und die Ansteuerung externer Klangerzeuger erlaubt, runden die technischen Möglichkeiten der Orgel ab.

Der innere Werkaufbau ist in 3 Ebenen angeordnet und nimmt ein Raumvolumen von 7m Breite, 4m Tiefe und 11m Höhe in Anspruch. Direkt über dem Spieltisch befindet sich das schwellbare Brustwerk mit sichtbaren Schwelljalousien im Prospekt. Das Hauptwerk ist als zentrales Werk mittig angeordnet, darüber das schwellbare Oberwerk. Die großen Schwelljalousien des Oberwerkes sind hierbei vom Kirchenraum aus nicht sichtbar. Diese übereinander gestaffelte Anordnung der 3 Manualwerke erlaubt eine gleichwertige Klangabstrahlung in den Raum.
Das Großpedal ist mit seinen 3 Fundamentstimmen Untersatz 32‘, Subbaß 16‘ und Bordun 8‘ vor der Orgelrückwand eingebaut. Die übrigen Pedalregister sind auf beiden Seiten in der Ebene des Hauptwerkes aufgestellt. Auf der linken Seite neben der Orgel ist in einem separaten Raum die Windanlage mit dem elektrischen Winderzeuger und dem Hauptbalg schallisoliert untergebracht. In diesem Seitenraum ist auch eine großzügige Treppenanlage errichtet, die eine optimale Zugänglichkeit zu den 3 Orgelebenen gewährt.

Das äußere Gestaltungsbild der Orgel wurde in enger Zusammenarbeit mit Architekt Dr. Klausjürgen Schöler und in Abstimmung mit Architekt Erick van Egeraat entwickelt. In Anpassung an die Raumarchitektur wurde das Orgelgehäuse in Weißlack ausgeführt. Der Spieltisch wurde in Kirschbaum gestaltet. Mit 56 sichtbaren Prospektpfeifen der tragenden Grundstimmen des Hauptwerkregisters Großprinzipal 16‘ und des Pedalregisters Posaune 16‘, ist der Orgelprospekt in 7 schlanken Feldern vertikal gegliedert. Die Prospektfelder weisen eine leicht plastische Anordnung auf und sind in den oberen Abschlüssen mit gewölbten Bögen als harmonische Verbindung zum Raumgewölbe versehen.

Vom Auftrag bis zur Fertigstellung der Orgel ist eine lange Entwicklungs- und Bauphase entstanden, die durch mehrere bauseitig bedingte Unterbrechungen gekennzeichnet war.
Die Fertigstellung der Orgel im Paulinum Leipzig erfüllt uns mit großer Freude und Dankbarkeit.
Von der ersten Ideenfindung bis zum letzten handwerklichen Akt der Vollendung des Orgelwerkes war eine sehr große Anzahl von Einzelleistungen engagierter und kompetenter Personen sowie Institutionen und Kooperationspartnern erforderlich, die insgesamt als Teamleistung zum guten Gelingen wesentlich beigetragen haben.
Stellvertretend für die vielen konstruktiven Beiträge und Leistungen sei die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Winfried Schrammek in memoriam hervorgehoben. Ihm gilt unser besonderer Dank für sein umfassendes, stets von tiefer Überzeugung und starker Kompetenz ausgezeichneten Wirkens zur Realisierung dieser Orgel.

Möge die neu erbaute Orgel im Paulinum der Aula und Universitätskirche St. Pauli Leipzig immer in friedlichen Zeiten erklingen und über Generationen zahlreichen Zuhörern und den an der Orgel musizierenden Organisten stets zur Freude und Erbauung dienen.



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